Meine Liebe zu Klassikern

Heute fühle ich mich sehr inspiriert diesen Beitrag zu schreiben, weil ich seit Langem mal wieder einen Klassiker begonnen habe und mir erneut bewusst wird, wie sehr ich Klassiker liebe und wie gerne ich sie lese. Viele mögen sie nicht gerne, einige trauen sich nicht, teilweise aufgrund der anspruchsvollen Sprache, aber ganz ehrlich: Diese Geschichten sind einfach so unglaublich, dass sie unbedingt gelesen werden müssen! Deswegen möchte ich euch meine Erfahrungen erläutern sowie meine Favoriten vorstellen, um euch zu zeigen, was euch da alles entgeht, wenn ihr es nicht ausprobiert. Na dann, los!

Früher sagten Menschen sowas wie Wer liest, der bildet sich in gewisser Weise (weiter). Wenn ich meine geliebten Fantasy-Bücher lese, frage ich mich gelegentlich Was lehrt mich diese Geschichte jetzt? Meistens lautet meine Antwort dann Mh.

Aber wenn ich einen Klassiker in der Hand habe und diesen lese, habe ich jede Menge Fragen im Kopf: Was dachte sich der Autor beim Verfassen dieses Buches? Was hat er selbst davon erlebt? In welcher der Figuren findet er sich eventuell wieder? War er für oder gegen das damalige Regime? So geht es immer weiter und das Allerbeste ist dann, wenn ich eines dieser Fragen beantworten kann; es fühlt sich an, als würde ein Lichtlein in meinem Kopf angeknipst und ich erleuchtet werden.

 

img_0401-1Nehmen wir beispielsweise mal Les Misérables von Victor Hugo, einem absoluten Highlight in der klassischen Literatur, meiner Meinung nach. Ich werde die Grundlagen kurz wiedergeben, in der Hoffnung so wenig wie möglich zu Spoilern: Das Buch ist in mehrere Bücher eingeteilt, weil in den jeweiligen Teilen unterschiedliche Schauplätze mit unterschiedlichen Persönlichkeiten im Mittelpunkt stehen. Jean Valjean wird aus dem Gefängnis entlassen, macht seinen Weg zu einem noblen und angesehenen Mann, fühlt sich schuldig, als er der Arbeiterin Fantine (die verbotenerweise unverheiratet ein Kind geboren hat und dieses auffliegt) nicht helfen konnte und nimmt sich ihrer Tochter Cosette an und zieht sie auf. Er wird jedoch immer wieder von Inspektor Javert gejagt, kann ihm aber immer entwischen. Als Cosette Erwachsen ist und sich in den Studenten Marius verliebt, erzählt ihr ‚Vater‘ ihr die Wahrheit und verachtet sich selbst, da er sich immer noch schuldig fühlt. All‘ diese Geschehnisse eignen sich während der Französischen Revolution (1789-1814) und beleuchten nebenher fast alle Gesellschaftsschichten und ihre jeweiligen Zustände.

Da Hugo Anfang des 19. Jahrhunderts gelebt hat und zumindest noch die Nachwirkungen der Revolution miterlebt hat, finde ich diesen Roman umso faszinierender. Darin steckt eine ganze Menge Wahres über die Menschen aus der Zeit, den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten usw. (Ja schon gut, ich halte ja schon die Historikerin in mir auf), sowie auch die Empfindungen und Gedanken des Autos selbst, was ich total spannend finde. Und wie bei den meisten Rereads, die ich bereits hinter mir habe, ist es auch bei diesem Roman, dass ich jedes Mal aufs Neue gespannt, erstaunt, bewegt und begeistert bin – von der Geschichte als Ganzes, aber auch von dem zugegeben anspruchsvollen Schreibstil Hugos.

 

Ähnlich empfinde ich auch beim Lesen der wunderbaren Romane von Jane Austen, wobei Pride and Prejudice (dt. Stolz und Vorurteil) mein absoluter Favorit ist; aber Emma ist auch sehr empfehlenswert. In den genannten Romanen sowie auch in Sense and Sensability (dt. Verstand und Gefühl) und Mansfield Park ist der Aufbau sehr ähnlich, aber dennoch individuell. In meinem Lieblings-Roman geht es um die englische Gesellschaft des 18./19. Jahrhunderts, in welcher es das Hauptziel der Mütter von Töchtern ist, sie gut zu verheiraten (sprich: einen reichen Mann für sie zu finden). Dieses geht über diverse Bälle, Veranstaltungen usw. sehr schnell. Je mehr Talente man hat (Zeichnen, Spielen eines Musikinstruments usw.), desto höher stehen die Chancen; wenn man selber vermögend ist, läuft das alles gewöhnlich über Kontakte. Elisabeth Bennett aus einfachem englischen Hause und der sehr vermögende Mr Darcy jedoch müssen mehrere Krisen überstehen, bei dem ihr jeweiliger Stolz im Weg steht, sie sich aber eigentlich zu einander hingezogen fühlen. Im Laufe des Romans verändern sie sich jedoch und finden (so will es das Klischee) schließlich doch zueinander. Der Roman ist zwar kitschig, aber meiner Meinung nach ist es nicht übertrieben. Vielmehr zeigt es kleine Träume von Frauen mit ’normalen Mitteln‘ und nicht unbedingt überragenden Talenten, die aber letzten Endes jede in gewisser Weise ihr Happy End finden. Mit einer schönen Prise Humor, das teilweise sogar sarkastisch wirkt, ist das Werk wirklich ein purer Genuss von Lektüre.

Auch wenn das eine fiktive Geschichte ist, stecken trotzdem einige wissenswerte Informationen zur damaligen englischen Gesellschaft darin und ist zudem eine kleine romantische Geschichte, welche ja vor allem bei der weiblichen Leserschaft gut ankommen. Was mir zusätzlich sehr gefällt ist, dass es so ‚rein‘ ist, damit meine ich, dass es kaum Intrigen gibt und auch nicht das Zwischenmenschliche so im Mittelpunkt steht. Sondern zwei Sturköpfe, deren jeweiliger Stolz im Weg steht, wenn doch beide eigentlich einander sehr mögen. Sicherlich spielt hier auch der soziale Druck eine große Rolle, der bei Mädchen, die schon über 20 Jahre alt sind, auf ihnen lastet, ebenso wie bei vermögenden Gentlemen, die endlich sesshaft werden sollen. Mega spannend, wie ich finde und weswegen ich immer wieder gerne zu diesem Buch greife!

 

Sagte ich schon, dass ich ein Faible für französische Autoren habe? Nö? Dann tue ich das jetzt einfach mal: Leute, ich habe ein riesiges Faible für französische Autoren! Monsieur Victor Hugo nannte ich bereits, aber wen ich ebenfalls legendär finde, ist Antoine de Saint-Exupéry. Sein Roman Le Petit Prince (dt. Der Kleine Prinz) ist und bleibt eines der schönsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. In den Biografien des Autors steht zwar, dass es eine Märchenerzählung eines gestrandeten Jungen ist, in welchem Saint-Exupéry versucht hat, seine Erfahrungen der beiden Weltkriege zu verarbeiten. Aber was mich eigentlich an diesem Werk so berührt hat, ist die Sicht eines Kindes auf die Dinge, in der er weder verurteilt, alles hinterfragt und durch seine ‚Reinheit‘ auch so gutmütig ist. Ich finde dieses Buch erinnert vor allem uns Erwachsene daran, was wir während der Zeit des Heranwachsenes vergessen haben, sowie dass wir viel zu schnell verurteilen und teilweise aus dem ‚Schubladen-Gedanken‘ gar nicht mehr herauskommen.

Ich liebe dieses Buch so sehr und jedes Mal habe ich auch hier immer wieder dieselben Gefühle während des Lesens: Freude über den Beginn, gespannte Erwartungen, bis hin zur Rührung, wobei jedes Mal an denselben Stellen die Tränen bei mir fließen. Es ist so eine wundervolle Geschichte, die müsste eigentlich jeder lesen finde ich!

 

Anhand der genannten Bücher hoffe ich verdeutlicht zu haben, was für wundervolle Bücher Klassiker sein können. Für mich sind es Bücher, deren jede einzelne Seite ich genieße, die teilweise voller anspruchsvoller Zeilen sind, vor allem auch wichtige Messages zwischen den Zeilen enthalten, die den Blickwinkel zu vielen Dingen verändern und deren letzten Seiten ich mit einem wehmütigen Lachen lese, manchmal sogar ein paar Tränen verdrücke und über deren Buchrücken ich nach dem Schließen des Buches liebevoll streichele und Bis zum Nächsten Mal flüstere. Ich liebe sie einfach!

Wie seht ihr das, mögt ihr Klassiker? Habt ihr vielleicht sogar bestimmte Lieblings-AutorInnen, deren Bücher ihr liebt und empfehlen könnt? Teilt es mir doch gerne in den Kommentarfeldern mit, vielleicht entdecke ich ja auch neue Bücher für mich 😉

4 Kommentare zu „Meine Liebe zu Klassikern

  1. Huhu Ümi! ❤️
    Was für ein schöner, herzerwärmender Artikel! Ich kann deine Liebe zu Jane Austen nur teilen, teilen und nochmals teilen. Ihnen flüsterte ich auch immer ein Bis bald! zu, wenn ich an ihnen vorbei gehe ☺️ Les Miserables möchte ich auch gern mal noch lesen, von Victor Hugo hab ich bisher nur den Glöckner von Notre Dame gelesen und mochte seinen Stil sehr gern.
    Ich könnte dir auf jeden Fall Fitzgeralds Der große Gatsby ans Herz legen, es ist ein wunderbarer Klassiker!

    Im übrigen kann man auch heute noch viel aus Büchern lernen, wenn man hin und wieder in anderen Genres blättert 🙂 Aktuell lerne ich zB detailliert das Leben und Denken in den 50ern kennen, als Frauen nur der Bildung wegen sich bilden sollten, nicht etwa um danach einem Beruf nachzugehen. 😮

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Perle 😉
      hach danke, das freut mich sehr! Jaa, Jane Austen ist wunderbar, ich liebe ihre Bücher total ❤ Aber von "Der große Gatsby" habe ich auch schon eine Menge gehört, den sollte ich vielleicht auch endlich mal lesen!

      Ja, da hast du natürlich vollkommen Recht, heute kann man immer noch eine ganze Menge Lehren aus Büchern ziehen. Und das mit den Frauen finde ich auch mega spannend, was du da erzählst.

      Liebe Grüße zurück liebe Gabriela,
      deine Ümi ❤

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Septemberbookies

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