Warum ich Bücher bevorzugt im Original lese

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heute möchte ich gerne über ein Thema sprechen, bei dem ich lange hin- und hergerissen war und bei dem ich mich nun entschieden habe den einen Weg zu gehen, weil es mir einfach am meisten Spaß macht. Es geht um das Thema

Bücher im Original lesen, oder sie lieber in der deutschen Übersetzung anschaffen?

In diesem Post möchte ich gerne meine Gedanken zu diesem Thema mitteilen, weil es mich doch länger beschäftigt hat und mir im Laufe der Zeit einfach Dinge ausgefallen sind, die ich gerne ansprechen möchte.

img_9237Bevor ich anfing zu bloggen, habe ich nicht so sehr darauf geachtet, ob ich mir ein Buch in der Originalsprache (meist englisch) kaufe, oder auf deutsch. Meistens war es dann so, dass die ersten Bücher einer Serie auf Deutsch übersetzt waren, während die letzten Bände noch nicht erschienen, oder wenn doch, dann noch nicht übersetzt wurden. Da kaufte ich dann einfach die Bücher auf Englisch, weil ich nicht länger warten wollte. Das war bei den Harry Potter -Büchern von Joanne K. Rowling, den Twilight -Büchern von Stephanie Meyer und vielen weiteren Reihen der Fall. Und irgendwann bemerkte ich, dass es gar nicht so schwer zu verstehen war, man brauchte einfach ein wenig Zeit, um ‚in das Buch reinzukommen‘, aber danach ging das runter wie Öl.

Ob ich mir nun immer die Bücher auf Englisch kaufen sollte oder nicht, habe ich gar nicht richtig in Erwägung gezogen, es blieb dabei, dass die Bücher gekauft wurden, die auf dem Markt waren. Erst kurz bevor ich meinen Blog ins Leben rief, achtete ich mehr darauf, denn mir gefiel es die Bücher im Original zu lesen; das fand ich schon in der Schule und später auch im Studium so cool, weil es immer eine Art Test war, ob und wie viel ich denn tatsächlich verstehen würde. Ich stellte dann fest, es war doch eine ganze Menge mehr, als ich erwartet hätte und dadurch wurde ich ein wenig ambitioniert. Denn ich hatte nun keinen Englischunterricht mehr und wollte unbedingt meine Kenntnisse noch aufrecht erhalten, so gut es ging.

Nach und nach bemerkte ich gewisse Dinge, die mich davon überzeugten, immer öfter die Bücher in der ursprünglichen Version zu kaufen und zu lesen, die mich in der deutschen Übersetzung teilweise aufregten und mir schlichtweg den Spaß am Lesen (fast) nahmen. Oder anders herum: Durch das Lesen des Originals habe ich auch oft gemerkt, welche coolen Redewendungen ich verpasste oder auch welche kulturellen Dinge nicht mit in die Übersetzung einfließen (können) und daher fehlen, was eigentlich total schade ist.

 

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Bei den Chronicles of Amber (dt. Die Chroniken von Amber) von Roger Zelazny haben mich viele Dinge während der Lektüre sehr gestört, sodass ich teilweise überlegte, das Buch abzubrechen. Der Schreibstil erschien mir nicht flüssig, es tauchten abgehackte Sätze auf und teilweise waren die Übergänge wirklich zusammenhanglos, sodass ich mehrmals verwirrt war und während der Lektüre ständig ins Stocken kam. Dank der einzigartigen Geschichte beendete ich das Buch und dachte mir irgendwann Naja, die Geschichte ist ja gut, aber der Schreibstil… Kann das vielleicht an der Übersetzung liegen? Ich wollte diese Frage für mich beantworten also kaufte ich mir eine englische Gesamtausgabe und begann erneut den ersten Band Nine Princes of Amber (dt. Die neun Prinzen von Amber) zu lesen. Und ich lag mit meiner Vermutung richtig: Leider war die Übersetzung eine, mit Verlaub, nicht Gute. Vielmehr hat sie die Geschichte durch den für mich konfus erscheinenden Schreibstil ein wenig verdorben, sodass die oben geschilderten Eindrückte sich entwickelten. Einige werden jetzt vielleicht denken, dass ich nicht so genau sein und übertreiben soll, aber ganz ehrlich, dieser Kritikpunkt war der Grund, warum meine Bewertung anders ausgefallen wäre, wenn ich das Buch nicht noch einmal im Englischen gelesen hätte und ich finde, dass das schon etwas ausmacht!

 

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Ein anderes Beispiel wäre auch diese Reihe, der ich mittlerweile sowas von verfallen bin und die ich schlechtweg liebe! Outlander von Diana Gabaldon, das ich zwar noch nicht komplett gelesen habe, es aber meiner Meinung nach mit jedem weiteren Band immer besser wird. Bei dieser Geschichte war die Übersetzung vollkommen in Ordnung und die Lektüre ist einfach so wie man es sich wünscht: Geile Geschichte, geile Protagonisten, megageiler Plot mit coolen und unerwarteten Wendungen und einem einfach grandiosen Ende. Ich weiß nicht mehr genau, was der Grund war, aber irgendwann kaufte ich mir den ersten Band der Reihe auch auf Englisch und begann es zu lesen. Ich bemerkte am Anfang keinen großen Unterschied zur deutschen Ausgabe und freute mich, dass die Geschehnisse ‚gleich‘ wirkten und der Übersetzer sich wirklich Mühe gegeben hat, nahe am Original zu bleiben. Aber es gab ein riesengroßes ABER und dafür muss ich ein zwei Sätze zu Inhalt sagen, aber keine Angst, es sind keine Spoiler. Für diejenigen, die es nicht kennen, die Geschichte ist ein historischer Roman, es beruht also auf wahren historischen Fakten, worin eine fiktionale Geschichte integriert wurde. Die Geschehnisse ereignen sich im Schottland der 1740er Jahre und handeln von den Unabhängigkeitsbestrebungen der Schotten von den Briten, welche jene damals immer benachteiligen und willkürlich verurteilten. Dagegen wollen viele Schotten gegen ankämpfen und suchen entsprechende Mittel. Die Schotten sind also auf alle Engländer sehr schlecht zu sprechen und nun kommt es so, dass ausgerechnet eine Engländerin auf die Burg eines schottischen Clans kommt und für reichlich Probleme, Diskussionen und Gerüchte sorgt, aber komischerweise gleichzeitig alle verletzten Schotten verarztet. Soviel dazu erst einmal.

Das ABER von dem ich sprach, ist nun die Tatsache, dass mit der Begegnung der Protagonistin Claire (der verachteten Engländerin also) mit den schottischen Clan-Mitgliedern die Sprache sich ins Schottische veränderte, was einfach den Flair und die Atmosphäre im Buch sowas von verändert hat, dass ich mich nicht nur einmal fragte Warum habe ich das englische Buch nicht schon vorher gekauft, WARUM?? Es war einfach viel zu geil, dass auch ein Teil schottischer Dialekte und Kultur im Buch vermittelt wurde, wodurch ich das Buch noch mehr zu lieben begann. Klar wurde dadurch die Lektüre anspruchsvoller und ich höre schon einige Stimmen, die sagen Ich tue mich so schon schwer mit englischen Büchern und jetzt soll ich auch noch ein Buch mit einem anspruchsvolleren Dialekt lesen?? Zunächst mal sollen sollt ihr gar nichts, ich versuche lediglich darzustellen, warum ich es liebe speziell DIESES BUCH auf Englisch zu lesen. Allein dieses simple Zitat sorgt bei mir für Gänsehaut und ja, ich gebe es zu: In diesem Moment bin ich Jamie Fraser komplett verfallen.

Ye need not be scairt of me […]. Nor of anyone here, so long as I’m with ye.

Falls es euch schwer fällt, das Zitat zu verstehen, dann lest es mal laut vor, dann wird euch ein Lichtlein aufgehen 😉 Auf jeden Fall liebe ich es seitdem die Bücher auf Englisch zu lesen, weil es einfach riesigen Spaß macht auch die kulturelle Note, die meiner Meinung nach das Buch noch authentischer macht, in dem Buch mit zu erleben. Sowas liebe ich ja total!

Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen, warum ich es liebe und mittlerweile bevorzuge, Bücher im Original – und das ist bei mir hauptsächlich auf Englisch – zu lesen, allerdings würde es den Rahmen dieses Beitrags sprengen, das so schon ein größeres Ausmaß angenommen hat, als beabsichtigt war. Ich habe mittlerweile auch mehr englische Bücher im Regal stehen, als Deutsche, was u.a. auch daran liegt, dass die englischen Bücher zumeist vor den deutschen Übersetzungen erscheinen (mittlerweile entwickelt sich eine interessante Wendung in dieser Hinsicht, die Jill von Letterheart in einem spannenden Beitrag anspricht). Noch ein Bonus für mich also direkt die Bücher, die ich haben möchte, auf Englisch (vor-) zu bestellen, damit sie gleich nach Erscheinung bei mir ankommen können. Und ich denke ich werde es Zukunft tatsächlich nur noch so handhaben, dass ich die Bücher im Original lesen werde. Die Sache mit der Übersetzung hat mich wirklich ein wenig geschockt (obwohl das übertrieben klingt), aber wie ich versucht habe es erklären, macht es doch einen gewaltigen Unterschied aus, wenn die Übersetzung mal ‚missglückt‘ ist.

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr auch gerne Bücher im Original, oder ist euch das zu anstrengend / zu zeitaufwendig o.ä., sodass ihr die Bücher lieber auf Deutsch lest? Teilt es mir gerne im Kommentarfeld unten mit, wenn ihr mögt.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und morgen ist ja auch schon wieder Wochenende ❤

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5 Kommentare zu „Warum ich Bücher bevorzugt im Original lese

  1. Pingback: Augustbookies
  2. Hi,

    ein schöner Beitrag, ich finde es interessant zu lesen, wie es bei anderen so zum Englischlesen gekommen ist.
    Ich lese seit der Schulzeit auf Englisch, die Sprache ist mir zum Glück sehr leicht gefallen. Spätestens dann bei der Twilight-Reihe wollte ich auch nicht mehr auf Übersetzungen warten und nach dem ersten Band auf Deutsch habe ich gleich die englischen bestellt. Und weil ich mittlerweile auch häufig mal bei den englischen/US-amerikanischen Long- und Shortlists schaue, bin ich häufig zu ungeduldig, darauf zu warten ob und wann die Bücher auf Deutsch erscheinen. Es ist auch ein bisschen eine Kostenfrage, denn die englischen Paperbacks sind häufig viel günstiger als die deutschen (dann ja meist Hardcover-)Ausgaben.

    Mittlerweile sind etwa ein Drittel bis die Hälfte meiner Bücher auf Englisch. Zuletzt habe ich „March“ von der Pulither-Preisträgerin Geraldine Brooks gelesen:
    https://www.wissenstagebuch.com/2020/02/26/geraldine-brooks-march-2005-little-women-special-3-3/
    Hier ist mir dann doch aufgefallen, dass die Sprache anspruchsvoll ist und ich nicht so gut ins Lesen hineingefunden habe. Das hat sich dann zwar gelegt, aber hat mir gezeigt, dass es auch im Bereich Contemporary deutliche sprachliche Unterschiede gibt.

    Outlander macht im Original so viel mehr Spaß. Die Serie in der Synchronisation zu gucken stelle ich mir nicht annähernd so unterhaltsam vor – da lieber mit Untertiteln. Das Schottische muss schon rauskommen. 😊

    Ans Lesen auf Spanisch oder Französisch bin ich allerdings noch nicht rangekommen. Ich habe es ein paarmal versucht, aber seit der Schule haben sich meine Kenntnisse so verschlechtert, dass ich bei einem ganzen Buch nicht viel verstehen würde. Ich habe überlegt, wenn Zeit ist mal mit Kurzgeschichten und/oder einzelnen Artikeln anzufangen. Denn ich wette trotz brillanter Übersetzer geht auch aus diesen Sprachen immer einiges verloren.

    Viele Grüße
    Jana

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