Rezension „Palast der Finsternis“ (Stefan Bachmann)

Es ist als wären wir am höchsten Punkt einer Achterbahn angelangt, bevor es steil hinuntergeht, und wir – wir, im Waggon – können entscheiden, wann wir die Bremse lösen, runterstürzen, ausflippen, sterben.

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch dank der lieben Sarah Ricchizzi, die auf ihrem Blog davon erzählte und meine Neugier weckte. Das Cover finde ich unglaublich schön sowie mysteriös, so dass ich es beim Diogenes Verlag angefragt habe. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!*

Den Klappentext hatte ich nur überflogen, so dass ich mit relativ wenig Wissen an die Lektüre heranging und es einfach auf mich zukommen ließ. Erzählt wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten, die sich während der Lektüre gelegentlich abwechseln: Einerseits aus der Sicht der Familie Bessancourt aus dem Jahr 1789, andererseits aus der Gegenwart. Der Einstieg fiel mir nicht schwer, im Gegenteil, die beiden unterschiedlichen Zeiten weckten meine Neugier ebenso wie die Protagonisten, die mich schon nach wenigen Seiten fesseln und begeistern konnte. Die Grundidee an sich finde ich unglaublich gut! Die Verknüpfung beider Zeiträume, die im ersten Moment zusammenhanglos erscheinen, empfinde ich richtig gut gelungen sowie die Unvorhersehbarkeit einiger Ereignisse fand ich richtig toll umgesetzt. Chapeau an den Autor, das war ganz große Unterhaltung!

Anouck, die Hauptfigur des Romans, gefällt mir unheimlich gut und war mir sofort sympathisch durch ihren fantastischen Sarkasmus, ihrer Schlagfertigkeit und auch ihrer Aufgewecktheit; ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Zusätzlich mochte ich die Tatsache, dass sie nicht allem und jedem glaubte, sondern hinterfragte, während die anderen Protagonisten vieles einfach so hinnahmen. Die Rede ist von Jules, Hayden, Lilly und Will, die es mit Anouck zwar nicht immer leicht haben, die einander aber ein gewisses Maß an Vertrauen schenken (müssen), wenn sie ihrem Schicksal entgehen wollen. Denn alle Jugendlichen sind durch einen interessanten, ja meiner Meinung genialen, Umstand miteinander verbunden. Aber mehr möchte ich nicht verraten, denn ich möchte niemanden spoilern.

Der Schreibstil Stefan Bachmanns ist angenehm und unglaublich gut, wenn es darum geht einige Situationen spannend zu erzählen. Der Autor versteht es regelrecht den Leser mit seinen geschickten Beschreibungen und Erklärungen an die Seiten zu fesseln, die die Spannung in jeder Sekunde weiter erhöhen und ein Beiseitelegen des Buches schlichtweg unmöglich machen. Der zwischenzeitliche Wechsel der Zeiten war für mich nicht verwirrend, im Gegenteil, es verlieh der ganzen Geschichte eine größere Dynamik und erhöhte, wenn das überhaupt noch möglich war, die Spannung der Situation. Nicht selten ließ es mich mit klopfendem Herzen, vor Überraschung geweiteten Augen und dem Bedürfnis, einen Moment inne zu halten und „Wow, einfach nur wow“ zu denken, zurück.

Palast der Finsternis von Stefan Bachmann konnte mich mit der Geschichte, den interessanten Charakteren sowie den Gefühlen, die es in mir auslöste, absolut begeistern. Der Autor hat riesiges Talent bewiesen beim Verfassen dieses Werkes, ich bin immer noch hin und weg, erstaunt, überrascht, baff. Fantastisch, einfach nur fantastisch! Es war eine immense Unterhaltung, es hat ungemein Spaß gemacht Anouck und die anderen auf ihrer Expedition zu begleiten! Deswegen bewerte ich es mit Tauchliebe und empfehle es jedem unbedingt zu lesen. Dieses ist nicht nur ein Buch, es ist ein Stück Kunst. Ich stimme einigen meiner Bloggerfreunden zu, die behaupten, dass es teilweise brutal und aufgrund dessen eventuell nicht jedermanns / -fraus Sache sei. Aber trotzdem würde ich sagen: „Versucht es trotzdem. Es ist soooo guuut!“

Weitere Rezensionen: Trallafittibooks     Letterheart     Sarah Ricchizzi     Buchmagie     I am Jane

Allgemeine Informationen

  • Titel Palast der Finsternis
  • Autorin Stefan Bachmann
  • Seitenzahl 400 Seiten
  • Preis 18,00 (Paperback), 14,99 (eBook)
  • Verlag  Diogenes Verlag ( 23. August 2017)

Die Außenseiterin Anouk ist mit vier anderen Kandidaten nach Paris gekommen, um einen lange verschütteten unterirdischen Palast zu erforschen, den ein verrückter Adliger zur Zeit der Französischen Revolution als Versteck für seine Familie erbauen ließ. Doch nachdem die Jugendlichen einmal durch die Tür mit dem Schmetterlingswappen getreten sind, erwartet sie in jedem weiteren Raum ein neuer Abgrund, den sie nur gemeinsam bezwingen können. Quelle

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10 Kommentare zu „Rezension „Palast der Finsternis“ (Stefan Bachmann)“

  1. Liebe Ümi,

    Es freut mich sehr, dass dich die Geschichte so begeistern konnte!
    Ich fand sie auch sehr besonders, vor allem Anouk hat einfach genau meinen Geschmack getroffen.
    Ich kann mir nur vorstellen, dass nicht jeder mit dieser skurrilen, abgedrehten Art etwas anfangen kann – aber das muss man selbst herausfinden!

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Jill,
      Ja da hast du recht, es ist etwas speziell, aber ich fand es genau richtig: das skurrile war nicht übertrieben es war ok und die Charaktere waren genial! Auch wenn die letzten Zeilen ernüchternd waren (da stimme ich dir und Sarah zu 😉 ) fand ich es supercool!

      Liebe Grüße und drücke dich 😘

      Gefällt mir

  2. Ich mische mich einfach mal ganz frech ein:
    nicht jeder lobt das Buch, Jill, Sarah und ich haben sogar „nur“ eine mittelmäßige Bewertung gegeben 🙂
    Der Aufbau ist grandios, die Protagonistin super cool, aber das Finale in Relation gesehen ziemlich flach, finde ich.

    Gefällt 1 Person

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